Heftiges Sägen an hölzernen Gewohnheiten
Der rote Faden durch Bremens Familienunternehmen / Teil 8: Bei der Firma Gluud räumt die junge Generation mit alten Gewohnheiten auf
Von Sebastian Manz
Bremen. In die traditionsbewusste Holzwirtschaft kommt Bewegung. Die Märkte sind seit Jahren ständigem Wandel unterworfen, und das erfordert immer neue Strategien, um unternehmerisch erfolgreich zu bleiben. Die Firma Carl Gluud hat gerade ihren Generationswechsel hinter sich gebracht. Die jungen Chefs sollen das Unternehmen auf die neuen Zeiten vorbereiten. Dank der familiären Strukturen haben sie dafür gute Karten, sagt ihr Vorgänger.
Heinz Meyer ist neu in der Holzbranche. Dass in dieser Zunft oft ganz eigene Gesetzmäßigkeiten herrschen, wurde dem Diplom-Ökonomen jedoch schnell bewusst. „Holz ist ein sehr traditionelles Material und genau so traditionsbehaftet ist auch das Gewerbe“, sagt er - im Positiven wie im Negativen. Klassische Marketingthemen etwa hätten hier schlichtweg noch keinen Einzug gefunden. Bei der Firma Gluud sah er die Möglichkeit, solche Neuerungen voranzubringen. Der Familienbetrieb hatte bereits internationale Kontakte geknüpft und keine Scheu, sich auf neue Absatzmärkte wie etwa Amazon oder Ebay einzulassen. Das war ganz nach Meyers Geschmack. „Auch in der Holzbranche herrscht ein Konzentrationsprozess, das heißt ganz konkret: Die Schnellen fressen die Langsamen“, sagt er.
Um dieser Bewegungsfreiheit nicht im Wege zu stehen, entschloss sich der ehemalige Mehrheitsinhaber und Geschäftsführer Hanns-Dieter Töller vor einigen Jahren, den langsamen Rückzug aus der Unternehmensführung anzutreten. „Ich bin immer noch da, wenn Beratung gewünscht wird, aber ich kann hier ja nicht für die Ewigkeit sitzen“, sagt der Diplomholzwirt. Jens Dörken schätzt die freie Hand, die ihm sein Onkel von Anfang an gewährt hat. Die flachen Hierarchien seien unheimlich hilfreich, wenn es etwa darum gehe, ein neues Produkt zur Marktreife zu bringen oder Unternehmensstrukturen zu verändern. „Wenn es Diskussionsbedarf gibt, dann geht das oft sehr schnell bei uns“, bestätigt auch Töller. Dabei könne es durchaus etwas heftiger zur Sache gehen, aber das müsse auch so sein. „Bei fremden Leuten müsste man wohl Angst haben, dass sie beleidigt wären, aber unter uns können wir die Dinge in aller Deutlichkeit ansprechen“, sagt er. Es werde kritisiert, aber gleichzeitig würden Dinge auch vom Tisch geschafft.
Ganz bewusst hat Hanns-Dieter Töller die beiden Geschäftsführer, seinen Neffen Jens Dörken und den externen Heinz Meyer, zu Anteilseignern gemacht: „Dadurch sitzen hier Leute, die nicht wie in einem Konzern nur an die eigene Kasse denken, sondern sich auch um die Belange des Unternehmens kümmern.“
In Bremen sehen die Firmenlenker den idealen Standort für ihr Unternehmen. Zum einen liegt das daran, dass der Stückguthafen für stetige Auftragseingänge sorgt. Gerade als Mittelständler sei es für die Firma Gluud von großem Vorteil, dass den Netzwerken in der Hansestadt solch herausragende Bedeutung zukämen, erklärt Jens Dörken. „Wir sind immer nah dran an unseren Kunden und Geschäftspartnern“, sagt der Diplombetriebswirt.
(Weser-Kurier vom 22.06.09)
Info
In Ihren Anfängen drehte sich bei der Firma Gluud alles um Exportkisten für die Brauerei Beck und Co. 1878 gründeten die Brüder Heinrich und Carl Gluud ihren Holz verarbeitenden Betrieb. Der Teerhof war erster Standort. In den 1930er Jahren übernahm die Brauerei ihren Zulieferer, nach dem Krieg übergab Beck’s den Betrieb an den Holzkaufmann Johannes Töller sen.
In den 1960er Jahren übernahm Hanns-Dieter Töller jun. den Betrieb von seinem Vater. 1994 stieg Töllers Neffe, Jens Dörken in den Betrieb ein und ist seit 2002 Gesellschafter. 2008 stieß Heinz Meyer als externer Geschäftsführer und Teilhaber dazu. Die Kistenproduktion ist heute nur noch ein Teilbereich des Portfolios.
Die Firma handelt mit Hölzern aller Art, produziert Paletten, fertigt maßgerechte Exportverpackungen und bietet ihre eigene Marke für Massivholzböden an. Seit 1996 betreibt Gluud eine Palettenproduktion im Baltikum. 70 Mitarbeiter arbeiten in der Firmenzentrale in Woltmershausen und der Dependance in Bremerhaven.


